Brun alias Hediger von jetzt an auf dem Turmsegler
Dieses Weblog wird eingestellt. Wer mag, kann die Abenteuer meines Alter Egos auf dem Benjamin Steins Turmsegler mitverfolgen, wo ich Gastrecht erhalten habe und eine >>> Kolumne führen darf, die Hedigers abermalige Rückkehr nach Brasilien dokumentiert.
Deshalb schlaflose Nächte.
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Das gestrige konkretisierend (weil das, was mir partout nicht aus dem Kopf will, nicht die verloren gegangene Physik ist, sondern das, worauf sie nicht mehr wirkt):
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Wo die Physik aufhört zu wirken, lösen sich Beziehungen auf, gehen Dinge verloren. Der Verlust des Hausrats während unserem Brasilienaufenthalt und der anschließenden Rückkehr in die Schweiz hätte ein erstes Alarmzeichen sein können, doch damals empfand ich den Abfall von Hab und Gut noch als Erleichterung. Mit zwei Koffern bewegt es sich freier als mit einem Schiffscontainer im Schlepptau. Anders meine Frau, die ich nicht Yolanda nennen darf, da sie sich – anders als ich - in den vergangenen beiden Jahren nur allzu gut wiedererkennt, ihr Leiden an mir überdauerte jeden Verlust. Und jeder weitere Verlust bewirkte neues Leid: Sie kämpfte mit mir, als ich unsere von Schimmel und Moder zerstörten Möbel hinaus auf die Straße trug.
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Sprache will in den Körper. Sie drängt in die Welt, weil nur dort sie sich erfüllt. Zurück in der Schweiz schrieb ich Bewerbung um Bewerbung, die allesamt nicht bewirkten. Meine Sprache lief ins Leere und kehrte unerfüllt zu mir zurück. Darauf war ich nicht vorbereitet gewesen: Vor zwei Jahren noch war meine Sprache das gewesen, was mir Arbeit gab und mir Arbeit war.
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Deshalb schlaflose Nächte: Sprache, die sich mir im Kopf drehte und verzweifelt eine Bewegung für meinen Körper suchte, durch die sie in die Welt käme. Doch egal was ich tat, ich fand nachts keinen Schlaf.
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Als meine Frau schließlich unsere Tochter nahm und mit ihr nach Brasilien zurückkehrte, verlor ich die Welt endgültig. Was bleibt, ist manchmal heftiger, rasender
Schmerz, meist dann auftretend, wenn ich eben mit Frau und Kind übers Internet gesprochen habe, der danach nur langsam zu einem tumben Gefühl abklingt, mit dem man sein Zimmer wieder verlassen kann, weil es die Augen abschwellen lässt.
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Wo die Physik verloren geht, verliert sich auch die Sprache. Ich bete, und Gott hört nicht zu.
Eine physische Existenz außerhalb der Physik.
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Von nun an nenne ich mich André Baquero Brun, weil das und das Wie meiner Selbstwahrnehmung mich an nichts erinnert, was ich vor zwei Jahren noch war. Es ist viel geschehen in diesen 24 Monaten, schrittweise wurde ich dahin gebracht, wohin keine Imaginationskraft mich je hätte hineinstellen können.
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Ich bin eine Fiktion, eine unmögliche Lüge, denn selbst die Lüge muss gewissen Gesetzen folgen, um glaubhaft zu sein. Zwar habe auch ich meine Glaubwürdigkeit verloren, aber der Umstand, dass ich lebe und erlebe, was ich durchlebe, zwingt mich, dieser Lüge aufzusitzen: Ich führe eine physische Existenz außerhalb der Physik.
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Physik benennt die Wechselwirkungen, die in den Beziehungen zwischen allem Weltlichen auftreten. Physik besagt daher, dass auf jede Aktion eine Reaktion folgt. Nichts geschieht ohne Ursache, nichts bleibt ohne Wirkung. Alles ist immer hineingenommen in die Welt.
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Ich bitte, und es wird nicht gegeben. Ich suche, und es findet sich nichts. Ich klopfe an, und es wird nicht aufgetan. Dass ich esse trinke schlafe ist als insistierende Anlehnung an die physikalischen Gesetze zu verstehen. Der Versuch, nicht ganz zu verschwinden.
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Aber wenn verschwinden, dann nicht in der Schweiz. Nicht in der Schweiz, wo alles, was aus der Welt hinaustritt, mit Erleichterung bedacht wird. Der wird uns keinen Rappen mehr kosten.
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Erfolg ist, was nichts vermisst.
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